Mandelentzündung

Mandelentzündung (Tonsillitis oder Angina tonsillitis)

Hintergrund

Die Gaumenmandeln (Tonsillen) befinden sich zwischen dem Nasen-Rachenraum und dem Beginn des Speise- und Atemweges. Sie sind Teil eines ringförmigen Systems aus lymphatischem Gewebe. Es schützt den Körper vor Viren und Bakterien durch die Produktion von Antikörpern und Abwehrzellen. Ab dem 1. Lebensjahr wachsen die Mandeln an bis etwa zum Pubertätsalter. Danach bilden sie sich langsam wieder zurück.

Akute Mandelentzündung

Vor allem bei Kindern zwischen 5 und 11 Jahren können die Mandeln akut von Viren und/oder Bakterien befallen werden ("Angina"). Die Mandeln entzünden sich und vereitern häufig. Typische Beschwerden sind jahreszeitlich gehäuft im nasskalten Winter- und Frühjahrswetter aufgrund von Tröpfcheninfektionen zu beobachten:

 

  • meist hohes Fieber
  • Halsschmerzen
  • plötzlicher Beginn
  • Probleme beim Schlucken
  • Bei sehr starker Mandelschwellung ist die Atmung beeinträchtigt
  • Das Allgemeinbefinden ist gestört
  • Das Sprechen klingt verwaschen
  • Mundgeruch/schlechter Geschmack im Mund

Der Arzt bemerkt bei der Untersuchung eine Schwellung und Rötung der Mandeln. Handelt es sich um eine Virusinfektion, klingen Entzündung und Schmerzen meist ohne spezielle Therapie nach 1 bis 3 tagen ab. Linderung verschaffen kalte Getränke, Speiseeis, Bettruhe, der Verzicht auf feste, zu kauende Nahrung und Halstabletten. Wadenwickel und Zäpfchen können das Fieber dämpfen. Aus der komplikationslosen Vireninfektion kann eine bakterielle Infektion entstehen. Dabei bilden sich eitrige, schmierige Beläge auf den Mandeln und im Rachenraum. Die Ursache sind meist Streptokokken der Gruppe A (Bakterien). Ein Abstrich mit nachfolgender Laboruntersuchung gibt dem Arzt im Zweifelsfall Klarheit. Mittel der Wahl sind dann Antibiotika wie Penicillin und Cephalosporine. Diese Medikamente müssen bis zu 10 Tage lang eingenommen werden. Die antibiotische Therapie der bakteriellen Mandelentzündung ist auch deshalb wichtig, weil sie das Eindringen von Bakterien in den Blutkreislauf verhindert und vor gesundheitsbedrohenden Folgeentzündungen z.B. an Herz und Nieren oder den Gelenken schützt. 

Chronische Mandelentzündung

Chronische Beschwerden können, müssen aber nicht, aus der akuten Tonsillitis entstehen. Das Krankheitsbild ist nicht so charakteristisch wie bei der akuten Tonsillitis. Treten gleichzeitig Schluckbeschwerden, ständige mäßige Halsschmerzen, allgemeine Müdigkeit/Appetitlosigkeit und erhöhte Temperatur auf, deutet dies stark auf eine chronische Mandelentzündung hin. Betroffen sind meist Patienten zwischen 12 und 35 Jahren. In jedem Falle sollte eine genaue Abklärung durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt stattfinden. Operative Mandelentfernung Grundsätzlich wird heute weniger schnell operiert als noch vor 30 oder 40 Jahren, da man die immunologische Schutzfunktion der Mandeln heute höher einschätzt. Die operative Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) macht Sinn, wenn ihre Schutzfunktion nicht mehr gegeben ist oder sie zu viele Beschwerden verursachen. Kindern werden in der Regel nicht vor dem 5. Lebensjahr operiert. Die Mandeln gehören bei einer oder mehreren dieser Komplikation entfernt:

  • Chronische Beschwerden
  • Pro Jahr 3 oder mehr akute eitrige Madelentzündungen
  • Die vergrößerten Mandeln beeinträchtigen die Atmung
  • Schwere lokale Veränderungen wie Abszesse
  • schwere Vernarbung des Mandelgewebes und Übertritt der Erreger in die Blutbahn (Sepsis)

Die Entfernung erfolgt üblicherweise in Vollnarkose und erfordert einen stationären Aufenthalt von ca. einer Woche. Ein kleines Trostpflaster für die Unbillen des operativen Eingriffes ist (nicht nur) für Kinder das Speiseeis, das sie nach der Operation geniessen dürfen. Kaltes wirkt schmerzlindernd und verengt die Blutgefäße (vermindert das Nachblutungsrisiko).